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Der Schulpsychologe hilft bei Schulangst

Schriftenreihe des OSA Stuttgart und den
Schulpsychologischen Beratungsstellen
O.Psych.R. Heinz-Jörg Utzt
Schulpsychologische Beratung Waiblingen

Erste Anzeichen:

Jens sitzt beim Frühstück und hat überhaupt keinen Appetit.

Heute soll eine Mathearbeit geschrieben werden.

Beim Gedanken an die Formeln, die er nachher anwenden muss, wird ihm mulmig. Sein Puls steigt. "Wenn das nur gut geht!" Auf dem Weg zur Schule fängt er an zu trödeln.

Am liebsten würde er gar nicht hingehen.

Im Schulgebäude spricht ihn eine Mitschülerin auf eine bestimmte Formel an, mit der spezielle Matheaufgaben gelöst werden. Das macht ihn noch verwirrter, weil er merkt, dass er die Formel nicht beherrscht. Er will kurz im Buch nachschauen, findet aber die gewünschte Stelle nicht, weil er sich in der Eile verblättert hat. Jetzt ist die Aufregung total!

Aber es geht noch weiter:

Der Lehrer betritt mit den Heften das Klassenzimmer, teilt die Aufgaben aus und bittet um Ruhe, Jens schaut auf das Blatt und schrickt zusammen. "Das kann ich doch gar nicht, das haben wir noch nicht durchgenommen!" schießt es ihm durch den Kopf. Seine Gedanken wirbeln so wirr durcheinander, dass er weder weiß, mit welcher Aufgabe er anfangen soll, noch die Aufgaben erkennt, die er auf Anhieb lösen könnte. "Was werden meine Eltern sagen, wenn ich die Arbeit schon wieder verhaue? Werde ich überhaupt versetzt?"

Solche Gedanken sausen Jens durch den Kopf, sein Herz schlägt bis zum Hals, die Hände werden schweißig, im Bauch kribbelt es, als habe er eine Handvoll Schmetterlinge verschlungen.

Erklärungen

Was ist mit Jens los?

Wenn geklärt ist, dass Jens auf der für ihn richtigen Schule, in der für ihn geeigneten Klassenstufe ist, dass er sich genügend auf die Klassenarbeiten vorbereitet, er aber trotzdem immer noch an Denkblockaden und Alarm im Kopf leidet, dann kann ihm ein Schulpsychologe helfen, seine Aufgeregtheit zu kontrollieren und seine Gedanken von "Panikbazillen" freizumachen. Er gibt Jens Anleitungen, sich rasch in einen weniger aufgeregten inneren Zustand zu versetzen, also sich zu entspannen. Zudem sollten aber auch die Eltern darüber nachdenken, ob sie nicht zu viel von Jens erwarten, und der Lehrer müsste überprüfen, ob er die Schüler mit seinen Klassenarbeiten nicht überfordert.

Zum Trost sei Jens aber gesagt:

Ein bisschen Stress ist nicht schlecht. Ein wenig Aufgeregtheit hilft sogar, bei Klassenarbeiten schwierige Aufgaben zu meistern. Besonders wichtig ist eben die innere Sicherheit, das Gleichgewicht zwischen Aufgabe und Können.

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Erklärungen

Was ist mit Jens los?

Jens zeigt die typischen Merkmale einer sogenannten Leistungs- oder Versagensangst. Seine Aufregung entsteht, weil er die Schwierigkeit der Aufgabe mit seinem eigenen Können vergleicht und dieser Vergleich zu Ungunsten seines Könnens ausfällt. Vielleicht war Jens zu bequem, die Klassenarbeit sorgfältig vorzubereiten und zu üben. Es könnte aber auch sein, dass der Lehrer überraschend sehr schwierige Aufgaben stellt, die die Schüler überfordern.

Jens denkt, dass er den Anforderungen nicht gewachsen ist, also wahrscheinlich scheitern wird. Er stellt sich schon vor, welche Auswirkungen es hat, wenn er mit einer schlechten Note heimkommt.

Seine Angst ist eine Folge von Gedanken und Erwartungen. Er nimmt an, dass ihn seine Eltern dann weniger mögen, dass sie ihn vielleicht strafen, dass seine Mitschüler ihn ablehnen, dass er sich blamiert. Sein Selbstwertgefühl ist bedroht, denn es wird von ihm mehr gefordert, als er zu leisten in der Lage ist, zumindest mehr, als er glaubt, leisten zu können. Immer wenn Menschen in solche brenzligen Situationen kommen, läuft im Körper automatisch ein Programm ab.

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Hilfe: Das Stressprogramm

Was kann man tun?"

Wichtig ist für Jens, sich optimal vorzubereiten, damit er mit dem Gefühl, genug geübt und gelernt zu haben, das Schulhaus betreten kann. Er wäre sicherer und gelassener, Hektik und Panik kämen gar nicht erst auf. Er könnte sich vornehmen: "Ich lerne intensiver, passe im Unterricht besser auf, lasse mich von einem Mitschüler abhören." Solche erfolgsversprechenden Arbeitsmethoden sind das beste Ruhekissen. Sie verschaffen das gute Gefühl, etwas getan zu haben und bereit zu sein für Prüfungen und Abfragen.

Wenn damit allein das Problem nicht zu lösen ist, sollte Jens lernen, mit der Aufgeregtheit selbst besser fertig zu werden.

Er könnte sich sagen: "Um meine Angst zu bewältigen, hole ich tief Luft, beruhige mich und denke an etwas Schönes."

Oder: "So wichtig ist die Schule wieder nicht; Hauptsache, ich bin gesund." Für manchen Schüler wirkt auch der Gedanke, einen Spickzettel dabei zu haben, sehr beruhigend, aber Mogeln bringt auf Dauer nichts.

Auf jeden Fall muss man versuchen, Jens Nervosität zu lindern. Geschieht dies nicht, könnte er unter Umständen vollkommen mutlos werden, auch in Situationen, die mit der Schule direkt gar nichts zu tun haben.

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Wer hilft weiter?

Es gibt viele Kinder und Jugendliche, die vom Stress geplagt sind und unter Prüfungsangst leiden.

Die Betroffenen sollten sich auf jeden Fall davor hüten, auf eigene Faust irgendwelche Medikamente einzunehmen. Besser ist es, sich von Fachleuten beraten zu lassen. Wenn es an der Schule niemand gibt, der dafür zuständig ist, kann man sich an die Schulpsychologen wenden.

 

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Za/E-Mail: internetredaktion_abt7(at)rps.bwl.de

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Letzte Änderung: 19.04.2012